Entlastungsdienst für Angehörige von Menschen mit Demenz

St. Ingbert. An einen Besuch beim Friseur ist nicht zu denken. Der Arzttermin, aufgeschoben, ein ums andere Mal. Freizeit? Fehlanzeige. Wer einen Demenzkranken zu Hause pflegt, stellt dessen Wohlergehen in den Mittelpunkt. Die Kranken brauchen Nähe, und sie benötigen nahezu rund um die Uhr Aufmerksamkeit. Um diese schenken zu können, opfern sich die Pflegenden oft regelrecht auf. Meist sind es die Ehepartner. Sie stellen eigene Bedürfnisse hinten an, gehen an Grenzen der Belastbarkeit – und oft darüber hinweg. Einer Forsa-Umfrage zufolge gibt jeder zweite pflegende Angehörige an, sich mit seiner Aufgabe überfordert zu fühlen. Und dennoch machen sie weiter. Aus Liebe, aus Verantwortung demjenigen gegenüber, der oft nicht mehr den Namen des Menschen kennt, der sich Tag und Nacht um ihn kümmert.
Die Malteser St. Ingbert unterstützen Verwandte von Demenzkranken bei ihrer Arbeit. Sie bieten den Entlastungsdienst für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz an, kurz EfA genannt. Geschulte Helfer kommen stundenweise in eine Familie und betreuen den Erkrankten: Sie spielen mit ihnen, singen, lesen vor – oder schenken einfach nur Zeit. „Die Angehörigen können währenddessen Pause machen“, sagt Sabine Kayser. Ein paar freie Stunden – Zeit, um sich etwas Gutes zu tun oder lang Aufgeschobenes zu erledigen.
Sabine Kayser ist Ansprechpartnerin für den Entlastungsdienst in St. Ingbert. Angehörige können sich bei ihr melden. Es folgt ein Kennenlern-Gespräch mit der Familie, in dem beispielsweise besprochen wird, wie sich der Erkrankte gern beschäftigt. So soll eine passende Helferin oder ein passender Helfer gefunden werden. Wann, wie oft und wie lange eine Helferin im Einsatz ist, sprechen die Angehörigen mit Frau Kayser als Standortkoordinatorin und der Helferin ab. „Wir stehen auf Abruf bereit“, so Sabine Kayser.
Neben der stundenweisen Betreuung zu Hause besteht außerdem die Möglichkeit, dementiell erkrankte Angehörige in 14-tägigen Abständen für jeweils 3 Stunden im Café Malta, einer Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz, betreuen zu lassen. Im Café Malta finden neben Betreuung individuelle Angebote statt, um bei den Patienten gezielt vorhandene Fähigkeiten und Talente anzuregen. Das gemeinsame Tun vermittelt zusätzliche Energie und Lebensfreude.
Die Kosten für die Demenzbegleitung im EfA und Café Malta übernehmen in der Regel die Pflegekassen. Pflegenden Angehörigen steht ein Jahresbudget für Entlastungsdienste zu, die Höhe hängt vom Grad der Demenzerkrankung ab. Dieses Jahresbudget ist unabhängig von einer Pflegestufe, d.h., Menschen, die bisher in keiner Pflegestufe eingestuft sind, haben erstmals Anspruch auf sog. „zusätzliche Betreuungsleistungen“, diejenigen, die bereits in einer Pflegestufe eingestuft sind, erhalten diese Leistungen zusätzlich. Die Malteser helfen bei den Anträgen an die Kassen – und übernehmen auf Wunsch die Kostenabwicklung.
Nächster Kurs: Demenzkranke verstehen und begleiten
Ort: Niederlassung der Malteser St. Ingbert, Robert-Koch-Str. 2, 66386 St. Ingbert
im Pfarrheim St. Pirmin, neben der Albert-Weisgerber-Grundschule
Kontakt: Sabine Kayser
Telefon: 0175 - 93 29 558